Mittwoch, 23. November 2016

Weihnachtsgebäck in Baden-Württemberg

Springerle, Hutzelbrot und Dambedei

So schmeckt der Süden zur Advents- und Weihnachtszeit




Dass es sich in Baden-Württemberg vorzüglich genießen lässt, hat sich längst herumgesprochen. Dies gilt insbesondere auch für die Zeit rund um das Weihnachtsfest. Nicht nur die zahlreichen Weihnachtsmärkte locken mit einer großen Auswahl an regionalen Spezialitäten. Auch in den Backstuben geht es in den Wintermonaten heiß her. Hier wird geknetet und geformt, gewalkt und ausgestochen. Und über allem liegt der süße Duft von Sternanis und Zimt.

Vorgestellt werden hier fünf Leckereien vor, die an den Festtagen im Süden auf keinen Fall fehlen dürfen.

Alte Früchte in neuem Gewand – Hutzelbrot
Das in Baden und Württemberg weit verbreitete Hutzel- oder Schnitzbrot entstand einst als bäuerliches Festtagsgebäck und versüßte in der Vergangenheit nicht nur Bauern und Bediensteten die Weihnachtszeit, sondern auch den Tieren. Um Unheil abzuwehren und dem Glück Tür und Tor zu öffnen, bekamen selbst die Stallbewohner ein Stück als Maulgabe. „Hutzelig“ bedeutet im Schwäbischen so viel wie „runzelig“ und beschreibt den Zustand der verarbeiteten Birnen und anderen Früchte, zu denen sich neben Mehl häufig auch Nüsse oder Mandeln gesellen. Was darüber hinaus in den Teig wandert, hängt ganz vom eigenen Geschmack oder dem seit Generationen überlieferten Familienrezept ab: Ob weihnachtliche Gewürze, Rübensirup, Kirschwasser oder Zitronat und Orangeat – der eigenen Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Serviert wird das Brot nach alter Tradition mit Butter. Wem das nicht reicht, der gönnt sich außerdem einen Klecks Marmelade oder Honig. Experimentierfreudige probieren es mit Käse.

Ein Bild von einem Mann – Dambedei
Er ist braun gebrannt, weithin bekannt und verfügt über viele Namen: In Nordbaden und der Kurpfalz kennt man ihn als Dambedei, in Südbaden als Grätti- oder Baselmann und in anderen Regionen begegnet er als Weck- oder Klausenmann. Doch ganz gleich, welchen Namen er trägt, an seinem charakteristischen Aussehen erkennt ihn jedes Kind sofort. Mit Spitzkopf, Rosinenaugen, Mandelmund und der Knopfleiste aus Nüssen macht der kleine Hefekerl ordentlich was her. Früher trug die Figur neben dem Bischofshut auch einen Bischofsstab. Denn ihr Ursprung liegt, wie bei vielen Festtagstraditionen im kirchlichen Brauchtum: Vom Gottesdienst ausgeschlossene Personen erhielten gesegnetes Brot, das am Gedenktag des Bischofs Nikolaus von Myra die Form eines Mannes trug. In vielen Regionen im Süden wird der beliebte Gebäckmann daher auch am Nikolaustag verteilt. Mancherorts erfreut er Groß und Klein aber bereits am Martinstag.

Gaumen- und Augenschmaus – Springerle
Springerle sind einzigartig im Geschmack und zieren in der Adventszeit so manche Kaffeetafel. Die kleinen Kunstwerke aus Anisschaum gehören mit ihrer hellen Farbe und den lieblichen Motiven zu den schönsten Weihnachtsgebäcken und eignen sich daher nicht nur zum Verzehr, sondern auch als Christbaumschmuck. Ihre besondere Gestalt bekommen die ursprünglich vor allem im schwäbisch-alemannischen Raum verbreiteten Plätzchen durch Modeln, die meist aus Holz, seltener aus Stein, Metall oder Keramik gefertigt sind. Wenn der Teig in die eingeschnitzten Hohlformen gedrückt wird, entsteht ein reliefartiges Bild. Die Herstellung des Gebäcks verlangt allerdings etwas Übung: Damit die Muster ihre Form behalten und die Springerle ihrem Namen alle Ehre machend „aufspringen“, sind Zeit, Geduld und Fingerspitzengefühl gefordert. Doch die Mühe zahlt sich aus. Bei richtiger Lagerung sind die Schmuckstücke nicht nur schön weich, sondern auch lange haltbar.

Süß und salzig ein Genuss – Neujahrsbrezel
Ob im Sommer oder Winter, zum Frühstück, als Mittagssnack oder Vesper – Brezeln werden im Süden zu jeder Jahres- und Tageszeit genossen. Langweilig wird es dabei nie. Denn in Baden-Württemberg gibt es unzählige Arten von Brezeln, die sich in Machart, Erscheinung und Geschmack unterscheiden. Eine besondere Form des Traditionsgebäcks bildet die Neujahrsbrezel. Für viele ist sie untrennbar mit dem Jahreswechsel verbunden. Aus einem Neujahrsring entstanden, verkörpert sie auch heute noch Unendlichkeit und darf beim Neujahrsfrühstück auf keinen Fall fehlen. Die häufig aus süßem, vereinzelt aber auch leicht gesalzenem Hefeteig geformten Glücksbringer können in Größe und Dekor stark variieren. Ein besonders ausladendes Exemplar kann bis zu einem Meter messen und mit vielen geflochtenen oder geschnittenen Verzierungen mehrere Kilo wiegen. Nach altem badischen Brauch werden die Neujahrsgaben zuweilen noch mit eingebackenen Geldstücken veredelt.

Sagenhaft gut und hart umkämpft – Reutlinger Mutschel
Viele Sagen ranken sich um die Entstehung des sternförmigen Gebildebrots mit dem eigentümlichen Namen. Manche sind sich sicher, es handle sich bei der vor allem in und um Reutlingen verbreiteten Mutschel um eine Art Opferbrot. Andere sehen in dem mürben Hefegebäck mit traditionell acht Zacken eine Nachbildung des Sterns der Weisen aus dem Morgenland. Auch der Ursprung ist umstritten. War es wirklich der Reutlinger Bäcker Albrecht Mutschler, der das Gewürzbrot im 13. Jahrhundert erfand und ihm seinen Namen gab? Fest steht jedenfalls, dass der Begriff „Mutsche“ als Umschreibung für ein kleines Brot bereits im Mittelalter verwendet wurde und „Mutschelmehl“ eine noch in vielen Regionen verwendete Bezeichnung für Paniermehl oder Semmelbrösel ist. Als echter Brauch gilt der „Mutscheltag“. Er wird in Reutlingen am Donnerstag nach Dreikönig gefeiert. Wo ehemals ein Preisschießen stattfand, bei dem die besten Schützen mit Mutscheln belohnt wurden, geht es heute gemäßigter zu: In geselliger Runde wird um die Trophäe gewürfelt – oder besser gesagt „gemutschelt“.

Weitere Informationen sowie Rezepte gibt es unter: www.schmeck-den-sueden.de

Foto: © Corinna Spitzbarth

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Dienstag, 22. November 2016

Sigrid Hirbodian, Tjark Wegner (Hrsg.): Was ist schwäbisch?

Sigrid Hirbodian, Tjark Wegner (Hrsg.): Was ist schwäbisch?
Reihe: Landeskundig, Band 2
Tübinger Vorträge zur Landesgeschichte



Hat das Schwäbische zur Zeit Hochkonjunktur? Man könnte es fast meinen, schließlich widmet sich die große Landesausstellung Baden-Württemberg derzeit auch den Schwaben und nun kommt im Thorbecke ein Buch mit dem Titel „Was ist schwäbisch?“ heraus.

Als Schwabe freut man sich ja darüber, dass man einmal nicht nur als dummer August mit „JajaSoso“ und ähnlichen Peinlichkeiten konfrontiert wird. Und man hat es ja schon immer gewusst - die Schwaben sind wer. Schon im Mittelalter waren die Schwaben ja ein überaus geachteter Volksstamm, nur später ging es bergab mit diesem Ansehen.

Also, was ist schwäbisch? Was haben die Wissenschaftlerin und der Wissenschaftler herausgefunden?
Neun Beiträge sind in dem Buch enthalten, über Schwäbisches vom Frühmittelalter bis heute. Was ist schwäbisch? Maultaschen, Linsen mit Spätzle, Daimler, Äffle und Pferdle, die Kehrwoche oder doch Persönlichkeiten wie Schiller und Uhland? Die Frage nach dem »Schwäbischen« kann schwerlich von einem Einzelnen beantwortet werden, hat hiervon doch jeder seine eigenen Assoziationen.

Das: interdisziplinär ausgerichtete Buch fasst die Ergebnisse einer Studium Generale-Reihe aus dem Jahr 2014 zusammen. Also waren die Tübinger ihrer Zeit voraus! Die Vorträge wurden jetzt im zweiten Band der Reihe "Landeskundig" im Thorbecke-Verlag zusammengefasst. Den Vorträgen des Studium Generale entsprechend sind die Aufsätze allgemeinverständlich gehalten, vermeiden aber dankbarerweise trotzdem die unsäglichen Kehrwochen- und „Sosojaja“-Anspielungen - auch wenn das Cover Schloss Lichtenstein zeigt, ein Motiv, das immer die Aufmerksamkeit an Heimatgeschichte interessierter Leser erweckt.

Das Buch beginnt mit dem Mittelalter, dem Herzogtum Schwaben, der Stauferzeit, dem Minnegesang, geht dann über in Texte über den schwäbischen Dialekt unter Berücksichtigung und Abgrenzung der und zu den benachbarten fränkischen, alemannischen und bairischen Dialekte(n), schwäbische Familiennamen - Stichwort Endung „…le“ - und die hiesige Literatur zwischen 1770 und 1870. 

Weitere Themen sind die schwäbische Küche ab dem Mittelalter des englischen Historikers Paul Freedman, die traurige Geschichte der Schwabenkinder aus Vorarlberg und Tirol, die nach Oberschwaben verschickt wurden und deren Schicksal heute wohl niemand erleben möchte, und endet mit einer Ausarbeitung über den Fleiß der Schwaben, Titel „Schaffe, schaffe, Häusle baue“ - also wurde letztendlich doch mit einem Klischee die Aufmerksamkeit erweckt, die das ganze Buch verdient!

Zu den Herausgebern:
Prof. Dr. Sigrid Hirbodian. Studium der Fächer Geschichte und Germanistik in Mainz. Seit August 2011 Direktorin des Instituts für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften in Tübingen. Forschungsschwerpunkte: Geistliche Frauen im Mittelalter, ländliche Gesellschaft, Burg und Adel, Stadtgeschichte, südwestdeutsche Landesgeschichte.
Tjark Wegner hat Geschichte und Latein an den Universitäten Trier und Tübingen studiert. Seit November 2014 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Kommunikation und Netzwerke, Wissen und Wissenstradierung im Spätmittelalter sowie der Epistolografie und Epigraphik.

Sigrid Hirbodian, Tjark Wegner (Hrsg.): "Was ist schwäbisch?" Reihe: Landeskundig, Band 2 Tübinger Vorträge zur Landesgeschichte. 228 Seiten. 37 Abbildungen. Format 14 x 22 cm, Hardcover. Jan Thorbecke Verlag. 1. Auflage 2016. ISBN: 978-3-7995-2071-3. 16,95 Euro.
Sie erhalten das Buch im Buchhandel oder hier.


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Sonntag, 20. November 2016

Katalog zur Ausstellung: Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke

Landesmuseum Württemberg (Hrsg.)/Dr. Olaf Siart/Frank Lang:
Die Schwaben
Zwischen Mythos und Marke
Der offizielle Ausstellungskatalog zur
Großen Landesausstellung in Stuttgart




Wenn eine Ausstellung schon einen großformatigen Katalog mit annähernd 500 Seiten herausbringt, prächtig gestaltet, voll hervorragender Bilder und mit zahlreichen Aufsätzen renommierter Autoren, dann muss es ja wohl was sein.

Man ist es ja gewohnt, dass die baden-württembergischen Landesausstellungen Veranstaltungen von höchstem Format sind, das weiß man schon von der legendären Staufer-Ausstellung her. Die Schwaben-Ausstellung passt wunderbar in diese Reihe. Wer sie gesehen hat, der nimmt ein bleibendes Erlebnis mit nach Hause.

Das kommt mir schwäbisch vor
Die Schwaben in all ihren Facetten! Sparsamkeit trifft auf Konsumfreude, Häuslebauen auf Reiselust und Brezel auf Spätzles-Shaker. Stichworte zu den Themen, die man dort sieht. Und die auch ihren Niederschlag in dem riesigen Katalog gefunden haben.

Die Schwaben – immer wieder anders
Mal werden sie mit den Staufern als tapfere Ritter und mit Dichtern wie Schiller als große Denker verehrt, dann mit den „Sieben Schwaben“ als einfältige Bauerntölpel verspottet und in der Moderne als Bewohner des „Schwäbischen Musterländles“ um erfolgreiche Markenprodukte beneidet.

Autoren des Ausstellungskataloges sind, um nur ein paar wenige zu nennen, u.a. so bekannte Namen wie Hermann Bausinger, Wolfgang Kaschuba, Anton Hunger, Gert Kollmer-von Oheimb-Loup und Jan Sellner - und sogar der Kabarettist und Sänger Ernst Mantel ist mit einem Beitrag vertreten.

Man hat also eine Sammlung an Artikeln vor sich, die alles, fast alles, beinhalten, was man zu Schwaben und zum Schwäbischen an Fragen haben kann. Das reicht von der Zuwanderung - und passend dazu, die Auswanderung der Schwaben, über die Sprache, über Kunst und Literatur, Essen, natürlich die Schwaben als Tüftler und Erfinder, die Geschichte der Schwaben und ihres Landes mitsamt den Reichsstädten, von den Alamannen und Sueben über die Stauferzeit bis heute – in den Schwaben- Metropolen Konstanz, Ulm, Augsburg und Stuttgart, den Pietismus natürlich, bis hin zu Aspekten über die schwäbische Mundart. Denn der schwäbische Dialekt hat regionale Unterschiede, die man in der Ausstellung sehen, hören und im Sprachlabor erleben kann, denn schwäbisch ist nicht gleich schwäbisch.

Bei aller Begeisterung für den textlichen Inhalt des Kataloges darf man nicht vergessen, was er auch für das Auge bietet: Über 600 Abbildungen, viele davon Seiten füllend, so dass der Leser auch visuell schwelgen kann.

Landesmuseum Württemberg: Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke. Der offizielle Ausstellungskatalog zur großen Landesausstellung in Stuttgart. 464 Seiten, 620 Abbildungen. Format 28,6 x 24,7 cm. Fester Einband mit Schutzumschlag. Belser, 2016. ISBN: 978-3-7630-2757-6. Preis: € 39,99, CHF 49,90, €/A 41,20.
Sie erhalten den Katalog in der Ausstellung, im Buchhandel oder hier.

Last but not least:
Die Große Landesausstellung 2016/ 2017
Die Schwaben: Zwischen Mythos und Marke

Der schillernde Begriff der „Schwaben“ und des „Schwabenlandes“ ist im deutschen Südwesten ebenso weit über die Grenzen der Region hinaus in aller Munde. Die Verwendung der Bezeichnung „Schwaben“ löst Assoziationen aus und erfüllt offenbar seit jeher bestimmte Funktionen. 

Welche das sind, dem will die Große Landesausstellung „Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke“ auf über 1.000 Quadratmetern nachgehen. Sie zeigt zu diesem Zweck bedeutende Phänomene der Kunst-, Kultur- und Mentalitätsgeschichte Schwabens auf teilweise neue, bisher ungesehen Art. 

In der Landesausstellung werden ca. 300 Kunstwerke und Objekte der Alltagskultur, darunter 150 internationale und nationale Leihgaben, spannungsvoll präsentiert. „Schwäbische Kunst“ setzte sich immer aus Höchstleistungen der verschiedenen Metropolen zusammen, die international vernetzt waren und Spitzenprodukte exportierten. 

Konstanz und Ulm, Augsburg und Stuttgart werden mit ihren großen Marken und Exportschlagern seit dem Mittelalter vorgestellt. Kunstvolle Skulpturen, herausragende Tafelgemälde und Goldschmiedearbeiten stehen neben modernen Industrieprodukten und faszinierenden Objekten wie dem „Heiligen Blechle“.

Der Name „Schwaben“ lässt sich, anders als die Bevölkerung selbst, auf die germanischen Sueben zurückführen. Im Mittelalter, als feste Grenzen noch unbekannt waren, setzte er sich als Bezeichnung eines bedeutenden Herzogtums durch, aus dem mehrere deutsche Kaiser hervorgingen. Nach dem Untergang der Staufer blieb der Begriff Schwaben an Südwestdeutschland haften. Dieses immer stark von Ein- und Auswanderung geprägte Gebiet umfasste sehr unterschiedliche Landschaften wie den Schwarzwald, das Neckarland, die Alb, Oberschwaben oder das Allgäu und bestand bis zur Zeit Napoleons aus unzähligen
katholischen und evangelischen Kleinstaaten.

Als im 19. Jahrhundert das neu geschaffene Königreich Württemberg seinen „Traum von Schwaben“ identitätsbildend nutzte und gleichzeitig der Ostteil Schwabens mit dem Königreich Bayern verschmolz, wurden die Mythen der Vergangenheit neu entdeckt. Manidentifizierte sich mit berühmten großen Schwaben wie den Staufern, Herzog Eberhard oder Friedrich Schiller. Daneben rückten die „vaterländische“ Landschaft und großartige Gebäude wie das Ulmer Münster oder das neu erbaute Schloss Lichtenstein ins allgemeine Bewusstsein.

Zugleich fand im Land selbst die altbekannte Spotterzählung von den „Sieben Schwaben“ weite Verbreitung. Die tölpelhaften Schwaben als Kontrast zu den Erfindern und Genies sind nur ein Aspekt der im Laufe der Epochen sehr wechselhaften Schwabenbilder. Solche Widersprüche werden in der Ausstellung anhand faszinierender Objekte entlarvt. Die Besucher, die sich an vielen Stellen der Ausstellung selbst zu Wort melden können, begegnen am Beispiel eindrucksvoller Persönlichkeiten auch der Frage, wer eigentlich Schwabe ist? Wer grenzt sich ab, wer will dazugehören? Der schwäbische Dialekt, für viele das eindeutigste Merkmal der Schwaben, wird in einem eigenen Bereich auf den Prüfstand gestellt. Über die Verkleinerungsform des „le“ hinaus geht es um den schwäbischen Wortschatz, die Besonderheiten der Aussprache – und wie sich die Mundart auf dem Dorf und in der Stadt unterscheidet.

Stimmen die Dialektgrenzen überhaupt mit den Identitätsgrenzen überein?
Die Ausstellung untersucht auch „gefühlte Realitäten“ wie die behaupteten Eigenschaften, die den Schwaben in besonderem Maße zugeschrieben werden: Fleiß, Sparsamkeit, Ordnungsliebe und Putzwut, Häusle-Bauen, Spätzle- und Maultaschen-Essen. Ob diese Klischees auch heute noch stimmen, oder wie sie von „Medienschwaben“ als schwäbische „Marken“ stilisiert und gepflegt werden, darüber wird die Ausstellung mit einem Augenzwinkern berichten.

Info:
Ausstellung: Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke
22. Oktober 2016 bis 23. April 2017
Ausstellungsort: Landesmuseum Württemberg, Altes Schloss, Schillerplatz 6, 70173 Stuttgart

Katalog: © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

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Donnerstag, 17. November 2016

André Wais u.a.: Baden-Württemberg in 66 Objekten

André Wais u.a.:
Baden-Württemberg in 66 Objekten

 

 

Baden-Württemberg hat viel zu bieten: von der Eiszeitkunst bis zum Tannenzäpflebier aus der Rothausbrauerei im Hochschwarzwald reicht das Spektrum. Zumindest das, was das Autorenteam um André Wais zusammengestellt und beschrieben hat.


66 sorgfältig ausgewählte Objekte aus den Bereichen Kunst, Kultur, Alltag, Technik und Architektur zeigen 400 000 Jahre Menschheitsgeschichte. Kompakte, gut verständliche Texte berichten von Entstehung und Rezeption jedes Objekts, erzählen von Auftraggebern, Künstlern und Gestaltern und führen hin zu entscheidenden Wendepunkten der Geschichte Baden-Württembergs:

Die Eiszeitfunde aus den Höhlen der Schwäbischen Alb gelten als älteste Kunstwerke der Menschheit. Das prunkvolle Fürstengrab von Hochdorf öffnet ein Fenster in die Kultur der Kelten. Der Stadtplan von Karlsruhe veranschaulicht den Machtanspruch absolutistischer Fürsten. Eine Mercedes-Limousine aus dem Jahr 1913 berichtet vom Aufstieg schwäbischer Tüflter zu Weltkonzernen. Und eine 33cl-Flasche „Tannenzäpfle“-Bier steht für eine entspannte, junge Festkultur – und für ein Stück gesamt-baden-württembergischer Identität.

Zum Herausgeber:
André Wais ist Chefredakteur der Zeitschrift »Archäologie in Deutschland« sowie Herausgeber und Autor zahlreicher Publikationen zur südwestdeutschen Geschichte.

Baden-Württemberg in 66 Objekten. 144 Seiten mit 66 farbigen Abbildungen, Bibliographie  und Reg., 22,5 x 26,0 cm. Hardcover mit Schutzumschlag. Theiss, Darmstadt. ISBN 9783806234008. 22 €.


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