Mittwoch, 30. September 2015

Premiumwandern und Feste feiern im Kinzigtal

Auf Premiumwegen durch die Schwarzwälder Postkarten-Idylle


Stattliche Schwarzwaldhöfe an grünen Talhängen, drumherum und darunter Felder, Weiden und Obstbaumwiesen, darüber steigt der Wald bis auf die Bergkuppen an: Im Schwarzwälder Kinzigtal zeigt sich Deutschlands höchstes Mittelgebirge von seiner Postkarten-Idylle.

Die Täler der Kinzig und ihrer Zuflüsse lassen sich besonders eindrucksvoll auf drei Premiumwegen entdecken. Auf der „Hahn-und-Henne-Runde“ im Harmersbachtal begegnet der Wanderer an Schildern und Bänken immer wieder dem berühmten Hühnerpaar vom Frühstücksgeschirr der Zeller Keramik Manufaktur. Der „Hausacher Bergsteig“ passiert Burg Husen und führt weit in ein Seitental der Kinzig hinein. Herrliche Aussichtspunkte und Wiesentäler entlang der Schwarzwaldbahn und der Gutach sind das Markenzeichen des „Gutacher Tälersteig“. Die Rundwege eignen sich dank ihrer Länge von rund 14 Kilometer und bis zu 850 Meter Anstiege gut für eine Tagestour. Infos zu den Wegen unter Tel. 07832 706170, www.kinzigtal.com.
Oktoberfest mal anders: „MundArt“ in Oberwolfach  
Ein „Wanderndes Oktoberfest“ haben sich fünf Gastronomen im kleinen Schwarzwalddorf Oberwolfach einfallen lassen. Am 24. Oktober können sich die „Oktoberfest“-Besucher auf acht Kilometern ein Fünf-Gang-Menü mit heimischen Leckerbissen erwandern. Auf der Karte stehen Forellenpraline, Kürbiscremesüppchen, Wildragout, gratinierte Zwetschgen und andere herbstliche Spezialitäten. Die Genießertour „Mundart“ startet mit dem 1. Gang um 13 Uhr, 14.30 oder 16 Uhr im Landhotel Hirschen und endet etwa fünf Stunden später mit dem Nachtisch in der Wolfsklause. Dazwischen liegen das Cafe Schacher, das Gasthaus Linde und das Restaurant Drei Könige. Die „MundArt“ kostet 45 Euro. Details bei Tourist-Info Oberwolfach, Tel. 07834 838311, www.oberwolfach.de

Schwarzwälder Herbst- und Schlachtfest im Freilichtmuseum
Ein Höhepunkt zum Ausklang der Saison des Freilichtmuseums Vogtsbauernhof ist das Herbst- und Schlachtfest am 24./25. Oktober 2015. Die Besucher lernen anschaulich, wie Schwarzwälder Bauern in den Zeiten vor Gefriertruhe und Supermarkt Vorräte einlagerten. In der Stube im Falkenhof wird zu Akkordeonmusik eine „Schlachtplatte“ mit frisch gekochter Wurst und Kesselfleisch serviert. Ein weiterer Höhepunkt ist am Samstagabend: der „Lichtgang“. Als es noch kein elektrisches Licht auf den Höfen gab, ging man abends auf einen der Höfe zum gemeinsamen Singen, Spinnen und Schwatzen im Licht eines Kienspans – in diesem Jahr mit dem Schwarzwälder Kabarettisten Martin Wangler alias Fidelius Waldvogel. Infos zum Oktoberprogramm beim Freilichtmuseum Vogtsbauernhof, Tel. 07831 93560, www.vogtsbauernhof.org.
Kulinarischer Streifzug und Führungen mit Weinproben
Bei Gengenbach öffnet sich das Kinzigtal zu den Rebbergen am Westrand des Schwarzwaldes. Auf einem zweieinhalbstündigen „Weinberg-Spaziergang“ über dem 1000 Jahre alten romantischen Fachwerkstädtchen schweift der Blick über Kinzigtal, Schwarzwaldberge und das Oberrheintal. Ursula Maurer unterhält mit launigen Geschichten, Sagen und Mundartversen. Im Teilnehmerpreis von 19 Euro ist eine ­Wein-,­  Sekt- und Schnapsverkostung enhalten. Der „Stadtspaziergang“ durch die engen Gassen führt zu einem privaten Weinkeller und zu einer weiteren Weinprobe am Prälatenturm im Klostergarten. Die zweieinhalbstündige Führung ist für Gruppen ab 10 Personen für 99 Euro zu buchen. Beim „Kulinarischen Stadtspaziergang“ durch die historische Innenstadt geht es um Geschichte und Alltag im Kinzigstädtchen. Beim dreistündigen Rundgang für 29 Euro pro Person werden an verschiedenen Stationen Datschkuchen, Kartoffelsuppe, Vesperwurst zu Wein und Wasser gereicht. Mehr Infos bei Kultur und Tourismus Gengenbach, Tel. 07803 930143, www.gengenbach.info.
Wo der Abt durch den Wald geistert
Als Abt leitete er Kloster Gengenbach, heute geistert Benedikt Ruscher als „Moospfaff“ durch die Wälder um Nordrach. Im Oktober liefert die Sagengestalt die Vorlage für einige Veranstaltungen im Seitental der Kinzig. Zum Auftakt begeben sich am 2. Oktober Wanderer im Mondschein auf die Spuren des Waldgeistes. Den ganzen Monat servieren Gastronomen „Moospfaff-Gerichte“. Es gibt einen „Moospfaff-Brunch“, im Getränkeladen „Moospfaff-Präsente“ und im Pfarrheim einen „Moospfaff-Abend“. Das gesamte Programm gibt es bei der Tourist-Info Nordrach, Tel. 07838 929921, www.nordrach.de  
Kinderweihnachtswelt und Biggeresel im Kinzigtal
Ende November wird es wieder heller im Schwarzwälder Kinzigtal: In den Fachwerkstädtchen leuchten Tausende Kerzen, allerorten beginnen Weihnachtsmärkte. Am Rathaus in Gengenbach öffnet sich das erste Fenster des größten Advents-kalenders. Zell am Harmersbach lädt zu einer Kinderweihnachtswelt ein. Der Advent im Kinzigtal ist wie ein Querschnitt durch den vorweihnachtlichen Schwarzwald. Dazu gehören auch finstere Gestalten wie „Pelzmärtel“ oder „Rubelez“, die Kinder und Nichtsahnende mit quieken, rasseln und brummeln erschrecken. In den Nächten rund um den 6. Dezember ziehen sie mit „Klausebigger“ oder „Biggeresel“ und dem Nikolaus von Haus zu Haus. Doch Kinder können mit einem Gedicht oder einem Flötenspiel die wilden Gestalten besänftigen. Für die „Braven“ öffnet der Nikolaus dann den Sack mit Süßigkeiten. Besonders lebendig ist der Brauch in Haslach, in Steinach und in Zell-Unterentersbach. Infos unter Tel. 07832 706170, www.kinzigtal.com.


Hier finden Sie …
Artikel über Reisen und was schön daran ist, Artikel über die Welt der Alpen, Artikel über Baden-Württemberg, Besprechungen von Reise- und Wanderliteratur, Artikel über Stuttgart, Artikel und vor allem schwarzweiß-Fotos von und über Stuttgart für Minimalisten unter den Freunden der Fotografie; außerdem wird auf den englischsprachigen Blog für Leben und Erleben in Stuttgart und der weiten Welt hingewiesen.

Mittwoch, 23. September 2015

Buchbesprechung: Hülen, Sandgruben und Holzwiesen. Historische Kulturlandschaft Truppenübungsplatz Münsingen und Biosphärengebiet Schwäbische Alb

Christoph Morrissey: 
Hülen, Sandgruben und Holzwiesen

Historische Kulturlandschaft im ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen im Vergleich mit dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb (Schwerpunkt Landkreis Reutlingen)
 


Der Untertitel dieses Buches ist zwar etwas sperrig, dafür weiß man genau, was einen erwartet: eine Beschreibung von Natur- und historischen Sehenswürdigkeiten im Landkreis Reutlingen.

Nun zählt ja der Landkreis Reutlingen zu den beliebtesten Ausflugs- und Wanderzielen nicht nur seiner eigenen Bewohner, sondern auch aus den umliegenden Bereichen, aus dem Mittleren Neckarraum sowieso. Frägt man einen Stuttgarter am Freitag: „Wohin gehst Du am Wochenende?“, so wird in den meisten Fällen die Antwort sein: „Auf die Alb“. Und mit Alb ist meist die Reutlinger Alb gemeint, zumindest aus den Stadtteilen, die am südlichen Rand der Landeshauptstadt liegen.

Und wer unterwegs ist, wer wandert, der läuft ja normalerweise nicht blind durch die Gegend, sondern er interessiert sich für das was er sieht. Und wenn er es nicht selbst sieht, weil es vielleicht zu unscheinbar ist, dann ist er dankbar für einen Hinweis und eine Erklärung.

Und gerade hier setzt dieses Buch an. Auf über 85 Seiten werden die Sehenswürdigkeiten beschrieben, eine Doppelseite ist dafür vorgesehen: Links 2 Fotos oder sonstige Abbildungen, rechts der Text.

Nach einführenden Kapiteln und einer Karte mit der Lage der beschriebenen Objekte geht es los mit Grabhügeln, weitere Kapitel sind Hülen, Burgen, Streuobstwiesen, Weidbuchen, Wacholderheiden, Kalköfen, Grenzsteinen und Sandgruben gewidmet - dies nur eine Auswahl aus dem Inhalt.

Immer ist eine Doppelseite der Sehenswürdigkeit im Truppenübungsplatz gewidmet, danach folgt eine Doppelseite mit demselben Objekt im Biosphärengebiet. Dies ist zweifellos ein interessanter Ansatz, denn auf eine solche Idee, einen solchen Vergleich zu erforschen, ist sicher noch niemand gekommen und wird wahrscheinlich auch niemand kommen. Interessant ist es allemal.

Das Buch kann deshalb allen, die öfters im Landkreis Reutlingen unterwegs sind, nur wärmstens empfohlen werden. Es bietet sich auch an, einmal gezielt Wanderungen zu diesen Sehenswürdigkeiten zu unternehmen - ob man nun die beiden Gebiete vergleichen will oder ob man sich nur die Objekte ansehen will, ist für einen gelungenen Ausflug ja eigentlich egal…

Christoph Morrissey: Hülen, Sandgruben und Holzwiesen Historische Kulturlandschaft im ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen im Vergleich mit dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb (Schwerpunkt Landkreis Reutlingen). Herausgegeben vom Landkreis Reutlingen. 87 Seiten, reich illustriert. Das Buch ist erhältlich im Kreisarchiv des Landkreises Reutlingen. Landratsamt Reutlingen - Kreisarchiv, Bismarckstr. 16, 72764 Reutlingen, Tel.: 07121 480-1316, Fax: 07121 480-1825


Hier finden Sie …
Artikel über Reisen und was schön daran ist, Artikel über die Welt der Alpen, Artikel über Baden-Württemberg, Besprechungen von Reise- und Wanderliteratur, Artikel über Stuttgart, Artikel und vor allem schwarzweiß-Fotos von und über Stuttgart für Minimalisten unter den Freunden der Fotografie; außerdem wird auf den englischsprachigen Blog für Leben und Erleben in Stuttgart und der weiten Welt hingewiesen.

Buchbesprechung: Kleindenkmale im Landkreis Reutlingen

Landkreis Reutlingen (Hrsg.):
 Kleindenkmale im Landkreis Reutlingen 
Ein Streifzug vom Neckar zur Donau
Bearbeitet von Irmtraud Betz-Wischnath



Es sind ja nun schon einige Bücher erschienen, die Kleindenkmale in verschiedenen Regionen beschreiben. Das jetzt vorliegende behandelt den Landkreis Reutlingen und wurde seit 2009 von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern recherchiert.

2000 wurde das groß angelegte Projekt zur landesweiten Erfassung und Dokumentation von Kleindenkmalen begonnen. Im Landkreis Reutlingen wurden 3000 davon erfasst, 700 hat man in das Buch aufgenommen.

Man staunt jedes Mal, was alles ein Kleindenkmal ist; grundsätzlich kann man sie als kleine, freistehende Objekte definieren, die von Menschenhand geschaffen wurden und fest mit einem Ort verbunden sind. Das reicht, wie anhand der Fotos sieht, vom Elektro-Verteilerkasten - ein Objekt, das man schon tausendfach gesehen hat - über Wasserhäuschen bis zum prächtigen Tiergartentor aus der Renaissance am Tübinger Schloss.

Das Buch ist nach Gemeinden geordnet. Das ist auch sinnvoll, denn es wird ja wohl meist so sein, dass man irgendwo etwas sieht und dann nachschlagen möchte, was das denn sei.

Kleindenkmale sind aber nicht nur Erinnerungsstücke aus vergangenen Zeiten. Man findet in dem Buch auch zeitgenössische Objekte wie die Kunst am Bau von Anton Geiselhart an seinem Gundelfinger Atelier.

Viele der 700 in dem Buch aufgenommenen Kleindenkmale sind ausführlich beschrieben, von anderen erklärt zumindest eine Bildunterschrift, um was es sich handelt und wo man es findet. Abschließend findet man ein Literaturverzeichnis - nützlich, wenn man Feuer gefangen hat für die alten Stücke. Die Künstler, Kunsthandwerker und Architekten sind in einem Verzeichnis mit den entsprechenden Seite im Buch angeführt.

Grundsätzliche Beschreibungen aus der fachkundigen Feder der ehemaligen Kreisarchivarin Irmtraud Betz-Wischnath findet man zu den Themen Grenzen, Wasser, Religion, Gedenken, Wirtschaft und Landwirtschaft, Verkehr und Technik, Kunst.
 
Landkreis Reutlingen (Hrsg.): Kleindenkmale im Landkreis Reutlingen. Ein Streifzug vom Neckar zur Donau. Bearbeitet von Irmtraud Betz-Wischnath. 192 Seiten, reich illustriert. Preis: 15 Euro zzgl. Versandkosten. Das Buch ist erhältlich im Kreisarchiv des Landkreises Reutlingen:  Landratsamt Reutlingen - Kreisarchiv, Bismarckstr. 16, 72764 Reutlingen, Tel.: 07121 480-1316, Fax: 07121 480-1825


Hier finden Sie …
Artikel über Reisen und was schön daran ist, Artikel über die Welt der Alpen, Artikel über Baden-Württemberg, Besprechungen von Reise- und Wanderliteratur, Artikel über Stuttgart, Artikel und vor allem schwarzweiß-Fotos von und über Stuttgart für Minimalisten unter den Freunden der Fotografie; außerdem wird auf den englischsprachigen Blog für Leben und Erleben in Stuttgart und der weiten Welt hingewiesen.

Sonntag, 20. September 2015

Buchbesprechung: Dr. Rüdiger Krause: Der Ipf

Dr. Rüdiger Krause: 
Der Ipf 
Fürstensitz im Fokus der Archäologie

 

Der Ipf mit seinem ganz eigenen Erscheinungsbild, mit dem er wohl mit keinem anderen Berg Baden-Württembergs verglichen werden kann, ist nicht nur landschaftlich ein Unikum und von seiner Natur her ein Monument der Erdgeschichte und etwas Besonderes, er ist auch in historischer Hinsicht eine der interessantesten Ecken des Landes.

Der Ipf, dieser wohl markantesten Berg Württembergs, ist seit mehr als 100 Jahren Objekt archäologischer Forschung. Das Buch „Der Ipf. Fürstensitz im Fokus der Archäologie“ stellt den faszinierenden Berg in all seinen Facetten vor – als Zeugenberg der Schwäbischen Alb wie auch als Sitz keltischer Fürsten, die das Umland beherrschten und Handelskontakte bis Italien pflegten.

Rüdiger Krause mit seinem Co-Autor Karlheinz Fuchs beschreibt im ersten Hauptkapitel die vor etwa 150 Millionen Jahren beginnende erdgeschichtliche Entstehung des Zeugenbergs Ipf, er erzählt vom Jurameer und der Geologie rund um den Ipf, inbegriffen der landschaftsbildende Meteorit, der vor 12 Millionen Jahren im benachbarten Nördinger Ries eingeschlagen ist, den Ipf aber verschonte.  Die Zeit menschlicher Besiedlung lässt sich daneben nur in Sekunden zählen.

Immer mit Bezug zur Ipf-Forschung, dazu mit historischen Fotos und Abbildungen, geht es weiter zu den ersten Siedlungen am Ipf, zur Eisenzeit, er streift die Erkenntnisse der Sprachforschung - wo kommt dieser seltsame Name „Ipf“ eigentlich her?“ - beschreibt die im Dreißigjährigen Krieg entscheidende Schlacht bei Nördlingen 1634, die ganz in der Nähe stattfand, die württembergische Zeit, als der erste König des Landes 1811 den Ipf bestieg. Ein Event, das die Geburtsstunde der bis heute »gefeierten« Ipf-Messe war. Was auch nicht fehlt ist die Esoterik und Geomantik am Ipf.

Das zweite Hauptkapitel ist dem „kleinen Bruder des Ipf“, dem benachbarten Goldberg gewidmet. Ab dem dritten Hauptkapitel gehen die Autoren dann auf das ein, was man sich beim Titel des Buches eigentlich vorgestellt hat: Die Geschichte des Ipf ab der frühen Keltenzeit einschließlich der archäologischen Grabungen und ihrer Ergebnisse sowie Forschungen. Weiter wird von der Siedlungsgeschichte im Umfeld des Ipf berichtet, vom Eisenerz, den Rechteckhöfen, von keltischen Viereckschanzen und mediterranen Gütern und von den Beziehungen der hier lebenden Bevölkerung in die Länder südlich der Alpen. Abschließend berichten die Autoren von den Kultorten, Begräbnisstätten, geheimnisvollen Schädelfunden, Heiligtümern und Brandopferplätzen am Ipf.

Dass diese Bewohner wohlhabend waren und deshalb etwas zu verteidigen hatten, zeigen unter anderem zahlreiche Tonscherben von kunstvollen griechischen Schalen. Es muss also vom Ipf aus in der Eisenzeit (ca. 500 v. Chr.) schon Handelsbeziehungen zum Mittelmeerraum gegeben haben. Großgrabhügel und spektakuläre Gebäude am Fuße des Ipf beweisen, dass der Berg einst keltischer Fürstensitz war. Reich sind die Herrscher auf dem Ipf sicherlich auch durch die Eisenerze der Ostalb geworden, die man hier schon in keltischer Zeit ausbeutete und verhüttete.

Die Texte sind gut verständlich und gleiten nicht ins trocken-wissenschaftliche ab, so dass sie auch für Otto-Normalbürger verständlich sind. Dazu enthält der Band über hundert teilweise noch nie veröffentlichten Abbildungen, darunter auch historische Bilder von Grabungen am Ipf - die frühesten archäologischen Untersuchungen dort datieren ins Jahr 1869.

Zum Autor:
Dr. Rüdiger Krause ist Professor für Prähistorische Archäologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt und leitet seit 1989 die archäologischen Forschungen am Ipf. 

Dr. Rüdiger Krause: Der Ipf. Fürstensitz im Fokus der Archäologie. 160 Seiten, 110 farbige Abbildungen, fester Einband, 26,3 x 24,2 cm (LxB). Belser Verlag, Stuttgart 2015. ISBN 978-3-7630-2725-5. €/D 24,99, €/A 25,70, sFr 31,50.


Hier finden Sie …
Artikel über Reisen und was schön daran ist, Artikel über die Welt der Alpen, Artikel über Baden-Württemberg, Besprechungen von Reise- und Wanderliteratur, Artikel über Stuttgart, Artikel und vor allem schwarzweiß-Fotos von und über Stuttgart für Minimalisten unter den Freunden der Fotografie; außerdem wird auf den englischsprachigen Blog für Leben und Erleben in Stuttgart und der weiten Welt hingewiesen.

Freitag, 18. September 2015

Jürgen Gerrmann: Klosterwanderungen zwischen Bodensee und Stuttgart

Jürgen Gerrmann:
Klosterwanderungen zwischen Bodensee und Stuttgart
 

Wer pilgert oder nach einem spirituellen Weg sucht, wer sich für historische Bauwerke begeistert oder für Landesgeschichte interessiert, für den sind Klöster ein lohnendes Ziel. Für religiös denkende Menschen, für Kunstfreunde und, wie man an diesem Buch sieht, auch für Wanderer. Weil Nonnen und Mönche meist die Einsamkeit gesucht haben, findet man dort heute oft herrliche Natur.

Jürgen Gerrmann, Redakteur bei den Nürtinger Nachrichten und Autor von bereits mehreren Büchern, hat zwei Dutzend Abteien in Baden-Württemberg - von insgesamt geschätzten Tausend! - besucht und deren Umgebung erwandert. Bebenhausen im Schönbuch ist ebenso dabei wie Lorch im Remstal, Weingarten in Oberschwaben, Salem und Hegne am Bodensee, Hirsau im Schwarzwald oder die beiden Klöster, die als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet wurden, Maulbronn und Reichenau.

Bei einer Buchvorstellung mit sachtypischen „Leckerlis“ wie Nonnenfürzle und Klosterbrezeln - die Erklärung dazu gab Jürgen Gerrmann bei seiner Rede - gab Regierungspräsident Johannes Schmalzl einen kurzen Überblick über die Klöster des Landes, die ja fast alle im Landesbesitz seien oder zumindest Zuschüsse für die allfälligen Renovierungen vom Land bekämen - und von denen keine Anlage derzeit ungenutzt sei, wie er stolz betonte!.

Er fand Gerrmanns Idee ganz gut, mit Wanderungen um und zu den Klöstern zu sich selbst - womöglich sogar mit einem Aufenthalt im einen oder anderen Kloster, das so etwas anbietet - zu kommen, auf Neudeutsch, zu „entschleunigen“. Vorzüglich fand Schmalz auch die Verbindung von Wandern, das Erleben der Natur, in Verbindung mit dem Spirituellen - genau das, was Gerrmann auch zu den Klosterwanderungen und somit zu diesem Buch inspirierte.

Die Idee kam dem - eigentlich evangelischen, wenngleich auch im eher katholischen Schwäbisch Gmünd mit seinen laut Schmalzl einst acht (!) Klöstern geborenen - Journalisten auf einer Pilgerreise nach Rom. Auf dem Weg dorthin durch Umbrien und die südliche Toscana kam ihm die Idee, das Erleben des Pilgerns und insbesondere das der Klöster und des geistigen Lebens dort auch anderen zu vermitteln. Durch das eigene Erleben der Natur in Kombination mit der Spiritualität der Klöster war Gerrmann natürlich prädestiniert dazu, einen Wanderführer zu Klöstern in Baden-Württemberg zu schreiben. 


Von links nach rechts: Prof. Dr. Claus Wolf, Abteilungspräsident 
Landesamt für Denkmalpflege, Titus Häussermann, 
Verleger des Silberburg-Verlages, Jürgen Gerrmann, 
Autor, Johannes Schmalzl, Regierungspräsident.

In seinen Ausführungen ging der Autor auf die Verschiedenheit der Klöster ein: Von kleinsten Anlagen im Wald, in denen manchmal nur wenige Brüder lebten (Beispiel Nürtingen) bis zu den heutigen Weltkulturerben der UNESCO Maulbronn und Reichenau reicht die Palette seiner Wandervorschläge. Die Baukunst der Anlagen ist über verschiedene Kunstepochen bis hin zu Jugendstil (Beuron) und Moderne (Untermarchtal) gestreut. Wie der Autor im Gespräch erzählte, liegen im die aus früher Zeit wie der Romanik stammenden Anlagen wie beispielsweise Lorch näher als prachtvolle barocke Bauten. Andere mögen dies vielleicht anders sehen, ein Lob der Vielfältigkeit der Meinungen!

Gerrmann erzählte auch von der Prägung unserer Kultur durch die Mönche, die immerhin Künste wie Buchmalerei, Gesang, Malerei oder Gartenkunst pflegten. 

 Wolf, Schmalzl und Gerrmann bei der Buchvorstellung

Auch wer mit der ganzen Spiritualität der Klöster „nichts am Hut hat“, der erlebt bei den 24 empfohlenen Wanderungen immerhin eine herrliche Natur in Verbindung mit hervorragenden Bau- und Kunstschätzen, meinte Johannes Schmalzl am Ende der Veranstaltung.

Die Palette der beschriebenen Wanderungen reicht von Halbtages- über Ganztageswanderungen bis zu gestandenen Unternehmungen mit 22 Kilometern Länge. Für alle Geschmäcker und jegliche Kondition ist also bei dem Klosterwanderführer etwas dabei.

In Infokästen beschreibt Gerrmann alles Wissenswerte rund um Kultur und Geschichte der Klöster. Hilfreiche Tipps zur Planung der Wanderungen, Kartenausschnitte sowie Hinweise zu Klosterläden und spirituellen Angeboten ergänzen die ausführlichen Tourenbeschreibungen.

Zum Autor:
Der gebürtige Schwäbisch Gmünder Jürgen Gerrmann (Jahrgang 1952) ist schon seit Kindesbeinen auf Schusters Rappen unterwegs – sei es auf der Alb oder in den Alpen. Den Redakteur der »Nürtinger Zeitung« fasziniert die Verbindung zwischen Natur und Kultur, die nirgendwo sonst so intensiv wirken kann wie beim Gehen. Als Rom-Pilger hat er seine Leidenschaft zu alten Klöstern entdeckt. Um den Zauber dieser Stätten zu spüren, muss man nicht unbedingt weit weg: Auch das Ländle hat da einiges zu bieten.

Jürgen Gerrmann: Klosterwanderungen zwischen Bodensee und Stuttgart. 160 Seiten, 146 Farbfotos und Karten, kartoniert. Silberburg-Verlag Tübingen und Karlsruhe. ISBN 978-3-8425-1420-1. 14,90 €.
Das Buch können Sie im Buchhandel und hier kaufen.


Hier finden Sie …
Artikel über Reisen und was schön daran ist, Artikel über die Welt der Alpen, Artikel über Baden-Württemberg, Besprechungen von Reise- und Wanderliteratur, Artikel über Stuttgart, Artikel und vor allem schwarzweiß-Fotos von und über Stuttgart für Minimalisten unter den Freunden der Fotografie; außerdem wird auf den englischsprachigen Blog für Leben und Erleben in Stuttgart und der weiten Welt hingewiesen.