Dienstag, 6. Dezember 2011

Buchvorstellung: Museumsführer Schwarzwald – Baar - Heuberg

Karin Gessler:
Museumsführer
Schwarzwald – Baar - Heuberg
 
 
 


Auf römischen Pfaden wandern, eine mittelalterliche Burg erklimmen, zeitgenössischer Kunst begegnen oder ausgeklügelte Technik bestaunen - die Region zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb bietet eine besonders vielfältige Museumslandschaft.

Der vorliegende Führer soll helfen, die kulturellen Schätze der Region zu erschließen. Er ist somit für Einheimische wie Touristen gleichermaßen interessant. 33 thematisch geordnete Touren führen durch die Landkreise Rottweil, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar und stellen diese überaus interessante Kulturlandschaft vor. Das Spektrum reicht dabei von bedeutenden Funden aus der Zeit der Kelten und Römer über die bäuerliche Kultur und das regionale Brauchtum, die Burgen und Schlösser mit ihrer Adelsgeschichte, die Entwicklung der Uhren- und Phonoindustrie wie der Medizintechnik bis hin zur sakralen und zeitgenössischen Kunst.

Im zweiten Teil des Buches stellen sich die Museen der Region mit ihren Sammlungsschwerpunkten von A bis Z in kurzen Porträts vor. Praktische Informationen zu Anfahrt und Öffnungszeiten, Info-Adressen sowie ausführliche Wegbeschreibungen runden diesen für Band ab.

Karin Gessler: Museumsführer Schwarzwald - Baar - Heuberg. 240 Seiten, 200 Farbfotos, kartoniert. Silberburg-Verlag, Tübingen und Lahr/Schwarzwald. ISBN 978-3-8425-1141-5. 12,90 €.


Dienstag, 29. November 2011

Wanderung: Über den Truppenübungsplatz

Über den Truppenübungsplatz

Herzstück des Biosphärengebietes Schwäbische Alb ist der ehemalige Truppenübungsplatz bei Münsingen.

Wir beginnen eine erste Tour bei Trailfingen und wandern zuerst nach Gruorn. Von diesem ehemaligen, einst gar nicht so kleinen Dorf sind nur noch die freskengeschmückte Kirche und das ehemalige Schulhaus übrig. In diesem ist ein Museum eingerichtet.

Danach folgen wir den zugelassenen Wegen - das Verlassen dieser ist lebensgefährlich, weil es immer noch Blindgänger auf den Wiesen gibt - und wandern durch das Gebiet. Überall sieht man Wiesen, einzelne Weidbäume und Waldstücke.

Am Schluss kommt man an der Aussichtsplattform Gänsewag vorbei, von der aus man einen schönen Blick über einen Großteil des Truppenübungsplatzes und die Münsinger alb hat.

Die Tour sieht auf der Karte zwar nicht allzu lang aus, sie bringt aber insgesamt fast 700 Meter Höhenunterschied mit sich, so dass man 4 1/2 bis 5 Stunden für sie einkalkulieren sollte.







Übrig von Gruorn sind noch die Kirche und das Schulhaus.












Blick von der Aussichtsplattform Gänsewag









Wanderung: Münsinger Alb

Über die Münsinger Alb

Einen guten Eindruck von der recht urtümlichen Münsinger Alb bekommt man bei einer Tour von Seeburg über Rietheim nach Münsingen.

Zurück wandert man dann erst über die Hochfläche, danach durch die idyllische Trailfinger Schlucht. Hier findet man romantisch bemooste Baumstämme, Farne, teils mächtige Felsklötze, einen Bachlauf und sogar die Quelle der Erms.















Sonntag, 27. November 2011

Über den Neuban zum Augstberg

Über den Neuban zum Augstbergturm



Der Neuban ist eine Gipfelkuppe östlich von Trochtelfingen und Mägerkingen. Ebenso der Augsberg. Während man auf dem Neuban aber eine Wacholderheide findet steht auf dem Augstberg ein Aussichtsturm des Schwäbischen Albvereins. An klaren Tagen - wie an diesem Herbsttag - hat man einen Bick nicht nur über die Hochfläche und die Höhen der Schwäbischen Alb, sondern bis hin zu den Alpen.

Eine Wanderung beginnt man in Trochtelfingen, wo man zuerst das reizvolle Stadtbild bewundern kann.

Trochtelfingen wurde Anfang des 13. Jahrhunderts Stadt und besitzt Festungsbauten aus dem 14. Jahrhundert und viele schön renovierte Fachwerkhäuser; sehenswert sind beispielsweise der Hohe Turm, die Kirche (Fresken, Anfang 14. Jh.; Holzskulpturen, 1430) und der Stadtbrunnen mit Steinfigur (1779). Der Stadtkern ist seit 1979 denkmalgeschützt.
Anschließend wandert man durch das Tal der lustig mäandrierenden Seckach nach Mägerkingen.




Das 1138 erstmals erwähnte Mägerkingen ist eine der ältesten alamannnischen Siedlungen der Gegend. 1450 wurde es von den Werdenbergern an Württemberg verkauft.






Von dort aus geht es hoch zum Neuban.



Die Heide auf dem Neuban oder Neubann, dessen Name von einem Banngebiet (das heißt der allgemeinen Nutzung entzogen) kommt, wurde 1960 zu einer „Oase der Ruhe“ erklärt. Auf der zehn Hektar großen Wacholderheide stehen mächtige Weidbuchen. Es gibt eine Schutzhütte und einen Grillplatz.


Wacholderbeeren - zum Kochen und Schnapsbrennen bestens geeignet!




Wacholderheide auf dem Neuban


Danach wandert man über die Hochfläche, dann durch den Wald hinauf zum Aussichtsturm auf dem Augstberg.
Der Augstbergturm (849 m) wurde erstmals 1894 von der Ortsgruppe Steinhilben des Schwäbischen Albvereins als 15 Meter hohes Gerüst auf der flachen Kuppe des Augstberges erbaut. Bereits nach vier Jahren wurde dieses aber durch ein Gewitter zerstört. Man erbaute ein neues Gerüst, das sieben Meter höher war, auch dieses wurde 1908 durch Sturm zerstört. Rund ein halbes Jahrhundert später wurde dann der heutige, dreißig Meter hohe Turm erbaut, und zwar als verschalte Holzkonstruktion auf einem Werksteinsockel. Die Einweihung war 1963. Dabei ist auch ein bewirtschafteter Unterkunftsraum. Die Aussicht reicht, wenn man Glück hat bis zum Schwarzwald, ins Rätikon, zu den Glarner Alpen und ins Berner Oberland. Im Nahbereich sieht man die reich bewegte Landschaft der Albhochfläche, im Westen und Nordwesten in Richtung Albtrauf mit Plettenberg und Raichberg - beide mit Fernmeldetürmen - und zum Roßberg, im Nordosten zum Sternberg. Der Turm ist ständig geöffnet, das Augstbergstüble vom Mitte April bis Mitte November an Sonn- und Feiertagen. Grillplatz.






Blick vom Augstbergturm

Anschließend geht es wieder hinab nach Trochtelfingen.

Für die Wanderung sollte man 4 1/2 bis 5 Stunden einkalkulieren.

Mittwoch, 23. November 2011

Buchvorstellung: Unsere besten Jahre

Buchbesprechung:
Rüdiger Dingemann, Renate Lüdde
Unsere besten Jahre



Mit den viel besprochenen fünfziger und sechziger Jahren beschäftigt sich dieses reich bebilderte Buch. Mit den Anfangsjahren unserer Republik und zum Vergleich mit der damals eigenständigen DDR. Alles war im Aufbruch, alles war neu nach dem Krieg. Die Menschen mussten sich erst finden, und taten dies, vor allem nach Einführung der DM, auch erstaunlich schnell. Es gab neue Erkenntnisse, Modeströmungen, Änderungen im Lebensgefühl und letztendlich auch in der Moral. Gesellschaft im Umbruch und Aufbruch. Höchst interessant, auch im Nachhinein. 
Und vielen der Älteren mag es bekannt vorkommen: Der Bikini war ein unmoralisches Kleidungsstück, das Omas und Tanten heftigst bekämpften, Opas und Onkel aber (heimlich) gerne ansahen. Hildegard Knef wurde zur verruchten Berühmtheit. Auch der Siegeszug der auch Cowboy- oder Nietenhose genannten Jeans begann in jenen Jahren. Stars wie Horst Buchholz, James Dean oder Elvis Presley bestimmten zum Entsetzen der älteren Generation das Lebensgefühl der Jugend. 
Auch an die Reklame und den damit verbundenen Konsum mag man sich gerne erinnern: Hoffmanns Gardinen-Neu sorgt dafür, dass der Gilb aus den Gardinen verschwindet, Bauknecht wusste genau, was Frauen wünschen. Die Regale der Geschäfte und Warenhäuser füllen sich nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren wieder, das deutsche Wirtschaftswunder begann, und mit ihm die Fress- und Reisewellen. Auch die Motorisierung der Deutschen begann. Die Menschen wollten ein verlorenes Leben, um das man sie betrogen hatten, nachholen. Die Teenies wurden wilder, James Dean wird zum Idol und Peter Kraus der neue deutsche Rock’n Roller.  
Das von Renate Lüdde und Rüdiger Dingemann herausgegebene Buch „Unsere besten Jahre“ von gewährt einen fast privaten Einblick in das Familienalbum aus den ersten Jahrzehnten unserer Republik. Alltag, Freizeit und Kultur sind die Lebensbereiche, die nach Zweitem Weltkrieg und Naziherrschaft besonders interessieren.
 
Das alltägliche Lebensgefühl der fünfziger und sechziger Jahre fasziniert nicht nur die beiden Autoren, die akribisch zusammengetragen haben, was man an Werbe-, Kino- und Propagandaplakaten sowie Motiven aus Versandhauskatalogen dazu gesehen haben sollte. Mit über 600 Bildern zaubern sie ein buntes Panorama der Zeit. So haben sie ausgesehen die Motorräder, Autos, Küchengeräte, Stühle, Hüte, Kleider und Möbel dieser Jahre. Das waren die damaligen Musik-, Film- und Buchtitel, von Bill Ramseys „Zuckerpuppe“ bis Drafi Deutschers „Marmor, Stein und Eisen bricht“. In diesem üppigen Bildband sind sie alle vertreten, ein nostalgischer Flickenteppich, der viel fürs Auge bietet. Ein amüsantes Kaleidoskop für die Nachgeborenen. Und für diejenigen, die dabei waren, Anstoß für Erinnerungen an eine schöne Zeit.
Enthalten sind auch Hinweise auf die Politiker und die Politik jener Zeit, auf die Nachwehen der totalitären Jahre, die immer noch nachwirkten, auch wenn die maßgeblichen Politiker jener Zeit nicht nur Überbleibsel jener schlimmen Jahre waren, sondern eben auch Leute wie Willi Brandt, die das Dritte Reich im Exil verbrachten. Der Homosexuellen-Paragraph 175 galt noch, das Zusammenübernachten unverheirateter Paare brachte demjenigen, der es erlaubte, den (strafrechtlich relevanten) Vorwurf der Kuppelei ein, Abtreibung war verboten und die Kirche hatte noch die Macht, von der sie heute noch träumt (bzw. denkt, sie hätte sie noch). 
Die Autoren Rüdiger Dingemann (Jahrgang 1951) und Renate Lüdde (Jahrgang 1955) wurden in Braunschweig geboren. Beide leben heute in Oberbayern und arbeiten als Sachbuchautoren sowohl für Print- als auch für Online-Medien. Renate Lüdde studierte Architektur, der gelernte Verlagsbuchhändler Rüdiger Dingemann Germanistik und Geschichte. Er arbeitete mehrere Jahre als Lektor und war Chefredakteur für die Microsoft Encarta Enzyklopädie. Beide haben bereits eine Vielzahl von Titeln zu zeitgeschichtlichen Themen veröffentlicht.
Rüdiger Dingemann, Renate Lüdde: Unsere besten Jahre. 320 Seiten, ca. 600 Abbildungen, Format 22,0 x 28,1 cm, Hardcover. Bucher Verlag. ISBN 978-3-7658-1887-5. 19,95 € (D), 20,60 € (A), 29,90 sFr.





Mittwoch, 16. November 2011

Von Donzdorf auf die Höhe

Schloss Donzdorf
und herrliche Aussicht


Blick vom Messelstein auf Donzdorf

Um das Schloss in Donzdorf liegt ein zwar kleiner, aber schön angelegter Park, der mit zahlreichen Skulpturen geschmückt ist. Hier kann man den Tag gemütlich ausklingen lassen, zumal man hier auch einkehren kann.

Zuerst wandern wir aber hinauf auf die Höhe des Albtraufs, wo sich uns prächtige Blicke bieten. Es geht erst auf einem Sträßchen hinauf, dann auf der Hochfläche wenige Minuten nach links zum Messelstein. Er belohnt uns mit einem prächtigen Blick auf Donzdorf und die Umgebung.



Im Hintergrund sieht man den Hohenstaufen.


Alle drei "Kaiserberge" sind im Hintergrund zu sehen.

 


„Der Messelberg (oder Messelstein, 749 m), der gewaltige südliche Nachbar des Kalten Feldes, an Höhe und günstig vorgeschobener Lage ihm wenig nachstehend, teilt mit dem kalten Feld den Vorzug einer gleichzeitigen Übersicht über die Albhochfläche in weitem Umfang und über das Vorland mit der Kegelkette vom Granegg bis zum Hohenstaufen. … Dagegen bietet der vogelschauartige Überblick über das paradiesisch schöne Donzdorfer Lautertal, in das der Messelstein fast senkrecht hineinhängt, und über das reich gegliederte, mit zahlreichen Gehöften geschmückte Vorgebirge, das sich vom Rechberg zum Filstal erstreckt, neue landschaftliche Eindrücke. Alles in allem wird man sagen müssen: der Messelstein verdient den Rang eines der schönsten und großartigsten Aussichtsberge der Alb, dem Kalten Feld muss er aber den Vorzug lassen. Wer vom Kalten Feld kommt, mag ihn als entbehrlich weglassen; wer vom Messelberg herkommt, findet auf dem Kalten Feld noch wesentlich Neues.“
Otto Häcker, in: Blätter des Schwäbischen Albvereins, 1904.
Der markante Messelstein (749 m) steht 350 Meter frei über dem Lautertal. Hier fand man 1951 Scherben aus der Hallstattzeit. Man sieht auf das darunter liengenden Donzdorf, dahinter nach Süßen, rechts davon liegen die Burg Staufeneck und das Schloss Ramsberg, dahinter sieht man Göppingen. Außerdem hat man einen prächtigen Blick zu den Kaiserbergen Hohenrechberg, Hohenstaufen und Stuifen. 

Danach wandern wir weiter, immer am Albtrauf entlang, bis Kuchalb. Hier kann man einkehren. Früher herrschte hier die "Mutter Franzl" mit einem strengen Regiment, das so manch Gast zu spüren bekamt, der sich nicht so benahm, wie sie es erwartete.




Letzte Aussicht: an der Maierhalde

Nach einer Einkehr wandern wir in wenigen Minuten hinab zur Maierhalde, auch hier bietet sich uns noch einmal ein herrlicher Blick hinaus ins Albvorland.






Das schmale Landsträßchen bringt uns zurück nach Donzdorf, wo wir uns guten Gewissens ausruhen dürfen.


Schloss Donzdorf ...

 





... und sein Park.




Donzdorf (407 m)

Die Stadt wurde 1275 erstmals genannt. Das Geschlecht der Grafen von Donzdorf ging aus den Rechbergern hervor und hatte Ende des 18. Jahrhunderts Donzdorf zu ihrer Residenz ausgebaut. 1806 fiel Donzdorf erst an Bayern und kam 1810 an Württemberg. Das Alte Schloss von 1478, heute Sitz der Stadtverwaltung, ist nur noch teilweise vorhanden. Es wurde Mitte des 19. Jahrhunderts umgebaut. – Von ihm aus führt ein Verbindungsgang zur Empore der Schlosskirche. Die Kirche geht auf einen spätgotischen Bau von etwa 1490 zurück und wurde 1777/78 umgebaut und wurde mit einem schönen Rokokogestühl versehen. Auffallend sind, dass die Altäre alle in einheitlichem rosa Marmor gearbeitet sind. Man sieht schöne Fresken von Josef Wannenmacher sowie zahlreiche Epitaphe der Grafen von Donzdorf; besonders beeindruckend ist das lebensgroße Standbild eines Ritters in Harnisch in der nördlichen Seitenkapelle. – 1568 begannen die Herren von Rechberg mit dem Bau des dreigeschossigen Neuen Schlosses im Stil der Renaissance, 1764/65 wurde es im Rokokostil umgebaut. Im 19. Jahrhundert wurden die Rokokoumbauten entfernt und die Anlage im Stil der Neugotik gestaltet. Es ist mit einer roten Putzquaderung versehen und besitzt ein schönes Renaissanceportal mit prächtigem Wappen und polygonale Ecktürme. – Zwischen den beiden Schlösser befindet sich der so genannte Mittelbau von 1889. – Dabei stehen das lang gestreckte Ökonomiegebäude (1756), das Oberrentamt (1857) und das Rentamt (1843), außerdem sieht man im Hof einen alten Brunnen und vor der Anlage einen netten Park. – Auf dem Friedhof findet man die Barbarakapelle (18. Jh.), in der sich eine schöne Marienskulptur eines Ulmer Meisters im Stil Hans Multschers sowie andere Skulturen befinden (alle 15. Jh.). – Im Schlosspark beginnt der Astronomischer Lehrpfad

4 Stunden und 500 Meter Höhenunterschied bringt diese Wanderung mit sich.